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Auf den Spuren von Elvis

Wie bereits der Titel verrät, beschäftigen wir uns heute ein bisschen mit Geschichte. Denn der Kunde, um den es in diesem Beitrag geht, ist schon etwas älter. Doch bevor jetzt jeder anfängt zu rätseln, ob Elvis nun doch noch am Leben ist, lüften wir lieber gleich das Geheimnis:

Es handelt sich um die Bundeswehr. Aber zu Elvis kommen wir auch noch, versprochen.

Die Bundeswehr bietet an ausgewählten Standorten sogenannte Regionalausstellungen an, um über ihre Arbeit zu informieren, ein aktuelles Bild vom Arbeitsalltag „beim Bund“ zu zeigen und die Verbindung zwischen Gesellschaft und Bundeswehr zu stärken.

Und so wird auch das alte, angestaubte Image ein bisschen aufpoliert. In Hammelburg in der bayerischen Rhön hatte die Agentur EYDOS den Auftrag eine Ausstellung zu konzipieren und wir durften die Lichtplanung übernehmen. Passend zum Motto der Bundeswehr „Aktiv.Attraktiv.Anders“, so war auch dieses Projekt für uns etwas ganz anderes als das übliche Tagesgeschäft.

Das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude diente zur Kaiserzeit als Wohnhaus des Kommandanten. Wir konnten also keine neue Elektrik unter dem ursprünglichen Putz verlegen. Deshalb entschied sich unser Innenarchitekt Wilhelm Brentrup für abgependelte Beleuchtungssysteme mit Zuleitung. Im Großteil der Räume befinden sich daher dekorative Pendelleuchten, die gleichzeitig auch der Wegeführung dienen. Diese Leuchten sind hell, ohne dabei zu blenden und können individuell über Bluetooth gedimmt werden.

So starten die Besucher in der Galerie, wo erste Eindrücke auf einem Deckenfries mit beleuchteten Drucken dargestellt werden. Von dort aus gehen sie weiter in die „Stube“, die zeigt, wie die Soldaten früher lebten und wie eine zeitgemäße Unterkunft heute aussieht. Dieser Unterschied spiegelt sich auch in der Beleuchtung wieder. Die „alte Stube“ wurde mit einem warmen und die „neue Stube“ mit einem modernen neutralen Licht ausgestattet. Der Kontrast ist nicht zu übersehen, was aber auch daran liegt, dass es heute oft Einzelunterkünfte gibt, damit die SoldatInnen während der Ausbildung oder des Studiums ungestört lernen können.

Weiter geht es in den Themenbereich Natur und Umwelt. Dieser Bereich bekommt oft nicht genug Aufmerksamkeit, obwohl sich durch die militärische Nutzung auf den Truppenübungsplätzen Hammelburg Wildflecken eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt hat.

Der erste Hingucker ist ganz klar die bemooste Wandverkleidung, die hinterleuchtet ist und so zusätzlich hervorgehoben wird. Außerdem wird das Podest des interaktiven Medientisches an den Stufen indirekt beleuchtet. An dem eingelassenen Bildschirm haben vier Besucher gleichzeitig die Möglichkeit das Areal des Truppenübungsplatzes in der Vogelperspektive zu erkunden und sich über verschiedenste Themen zu informieren.

Der nächste Raum befasst sich mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Um die historische Bausubstanz nicht anzugreifen, entschieden wir uns hier für eine abgependelte Spanndecke mit Digitaldruck in Himmel-Optik, die sehr hell hinterleuchtet ist.

Im angrenzenden Raum geht es um die Verarbeitung posttraumatischer Belastungsstörungen. Zu diesem sehr emotionalen Thema können die Besucher mit UV-Taschenlampen in einem abgedunkelten Raum bewegende Zitate von Soldaten lesen. Diese extreme Veränderung der Beleuchtung sowie die Enge des Raumes und der unebene Boden sind eine Zäsur für alle Sinne. Der Besucher wird automatisch in eine andere Stimmung versetzt, es wird ruhiger, ernster.

Diese gedämpfte Atmosphäre wird dann in den vorletzten beiden Räumen wieder etwas aufgelockert.

Der abgependelte Knoten an der Decke symbolisiert, wie am Standort Wildflecken alles miteinander verbunden ist und die Entwicklungen der über 80-jährigen Zeit- und Militärgeschichte sich bis heute auswirkt. Vom Knoten hängen Lampen im Retro-Stil herab, denn jetzt wird es nostalgisch.

Hier werden die Geschichten von damals wieder zum Leben erweckt. Der Titel „Elvis und die Silberdistel“ beruft sich auf die Zeit, in der Elvis als Soldat für ein Manöver in die Rhön kam. Damals war in Wildflecken vermutlich mehr geboten, als in manch größerer Stadt. Abgesehen von Elvis Presley waren aber auch andere Berühmtheiten bereits auf dem Truppenübungsplatz, wie beispielsweise Shaq O’Neal eine Zeit in der amerikanischen Garnison Wildflecken.

Das Kino ist mit einer indirekten Sockelbeleuchtung ausgestattet und setzt den Fokus auf den Bildschirm, auf dem verschiedene Szenen aus der Vergangenheit zu sehen sind, die von Zeitzeugen erklärt werden.

Abgerundet wird die Ausstellung mit einem sehr hellen Raum, der der Nachwuchswerbung gilt. Denn die Bundeswehr bietet eine unglaubliche Vielzahl an Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten, gerade auch im zivilen Bereich. Oder hätten Sie gewusst, dass die Bundeswehr z. B. auch Fotografen, Fachangestellte für Bäderbetriebe oder Landmaschinenmechaniker beschäftigt?

Allein deshalb ist die Ausstellung natürlich so gestaltet, dass sie nicht nur für Veteranen interessant ist, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Denn die Bundeswehr kommuniziert hier direkt und offen die eigene Geschichte, möchte aber auch mit jungen Menschen in Dialog treten und ein neues Bild vermitteln.

Wir sind der Meinung, dass die Ausstellung definitiv einen Besuch wert ist und das sagen wir nicht nur wegen der Lichtplanung.

Tatsächlich sind wir sehr stolz auf das Endergebnis und da war es für uns auch keine große Überraschung, dass die Ausstellung mit dem Iconic Award 2019 in der Kategorie Innovative Architecture ausgezeichnet wurde und für den German Design Award 2020 nominiert ist. Wir gratulieren der Agentur EYDOS zu ihrer großartigen Konzeption und bedanken uns an dieser Stelle nochmals für die Beauftragung der Lichtplanung sowie die gute Zusammenarbeit!

Übrigens ist die Ausstellung jeden ersten Dienstag im Monat von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Wer an diesem Tag keine Zeit hat, kann aber auch außerhalb der Öffnungszeiten und sogar am Wochenende einen Termin vereinbaren. Egal ob Einzelperson oder Gruppe, man bekommt auf jeden Fall eine Führung, bei der alles ganz genau erklärt wird.

Man merkt sofort: Der Bundeswehr liegen die Regionalausstellungen sehr am Herzen, denn hier wird viel Liebe und Zeit investiert um die Beziehung zwischen Bundeswehr und Zivilbevölkerung zu stärken.

Herzliche Grüße aus Eichenzell,